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Keimzeit trotzt Blätterfall - Einem glitzernden Edelstein im Herbstlaub ähnelte die Musik des Keimzeit Akustik Quintetts am vergangenen Sonnabend im Templiner MKC. Text Gerald Narr, Fotos Roland Köhler
 
Norbert Leisgang Gabriele Kienast Martin Weigel
mehr Konzert-Fotos von Roland Köhler hier


TEMPLIN. Wenn Musikerlegenden wie Norbert Leisegang auftreten, sind meist viele Fans mit im Saal. Entsprechend temperamentvoll wurden die fünf Musiker im MKC begrüßt und spielten nach anfänglichen Warmlaufproblemen mit Leichtigkeit und Frische auf. "Irre ins Irrenhaus, die Schlauen ins Parlament! Selber schuld daran, wer die Zeichen der Zeit nicht erkennt". Texte wie dieser am Vorabend des 9.November riefen auch die Erinnerung an die vor 25 Jahren geöffnete Mauer wach, mit der die Leisegang-Familie endlich die Möglichkeit bekam, eigene Alben zu veröffentlichen und ihre Karriere ohne Repressionen fortzusetzen. Lieder aus den frühen Platten waren in das aktuelle "Midtsommer"- Programm, das 2013 als CD und Vinyl erschien, eingestreut, regten die Kenner zum Mitsingen an. Keimzeit hat in den über dreißig Jahren des Bestehens viele Änderungen in der musikalischen Stilistik und Ausrichtung erfahren. Auseinandersetzungen blieben nicht aus und führten zu Wechseln in der Besetzung.
Heute gibt es die Rockband Keimzeit und das Keimzeit Akustik Quintett. In beiden Wirken die Gründungsmitglieder Norbert und Hartmut Leisegang, sowie der junge Lead-Gitarrist Martin Weigel mit. Zwei weitere junge Musiker bringen musikalische Farbe ins Quintett. Die aus einer klassischen Ausbildung kommende, eine große Bandbreite beherrschende Geigerin Gabriele Kienast und der Schlagzeuger Christian Schwechheimer. Die markante Stimme Norbert Leisegangs, ohne die Keimzeit nicht Keimzeit wäre, prägt viele der Songs, wird im Background von den Jungen perfekt unterstützt, die aber auch Gelegenheit für eigene Stücke bekommen. Ein wohltuender Wechsel zwischen karibischer Rhythmik, Country-Stilistik und reinen Intrumentalstücken bringen die Hüften und Füße der Zuschauer in den Sitzreihen in Bewegung und schaffen Gute-Laune-Stimmung. Die Konzertsituation ermöglicht aber auch den stillen Liedern aus dem Repertoire ein Podium und deren Texten die nötige Wirkung. Neue Klangfarben bringen die internationalen Filmmusiken aus Filmen wie Kusturicas "Schwarze Katze, weißer Kater" oder aus Wong Kar Wais „In the mood for love“.

Die Kraft der akustischen Instrumente wie gezupfter Kontrabass, Violine, Gitarre, Banjo, Ukulele, Schlagzeug und nicht zuletzt die Perfektion im Gesang des Ensembles läßt das Templiner Publikum zu Beifallsstürmen hinreißen und Zugaben fordern, die auch prompt bedient werden. So ist am Ende das fast unvermeidliche "Kling,klang" zu hören und jeder nimmt die Freude an der Musik mit nach Hause. Wer die Lieder in Form einer CD oder LP mitnehmen wollte, hatte noch im Anschluß Gelegenheit im freundlichen Gespräch, sich diese signieren zu lassen. Die Neubrandenburgerin Carolin Heihs ist begeistert vom Konzert, wie auch Rico Naber aus Templin, der schon das Open-Air-Konzert an der Gollmitzer Wassermühle erlebt hatte. Er hofft auf eine Fortsetzung des Akustik Quintetts im nächsten Jahr. Froh über solche kulturellen Höhepunkte in seiner Stadt, ist er von den Templinern etwas enttäuscht ob ihrer Zurückhaltung, denn der Saal hatte noch einige freie Plätze. MKC-Chefin Kathrin Frese schiebt dies darauf, dass es schon das dritte Keimzeit-Konzert in diesem Jahr in der Region war. Sie läßt sich dadurch nicht entmutigen und meint: "Solche Qualität braucht unser Haus. Keimzeit kommt im nächsten Jahr wieder". (Autor Gerald Narr, Fotos: Roland Köhler)