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Das Musical "Die Schneekönigin" begeistert das große und kleine Publikum gleichermaßen.
(Text und Fotos: Matthias Bruck)


Schneekoenigin mkc

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Templin. Draußen pfiffen die Orkanböen bei so gar nicht winterlichen Temperaturen um die 11 Grad Celsius ums Haus. Drinnen, im großen Saal des Multikulturellen Centrums Templin (MKC) sorgten Bühnenbild, Lichtstimmung und Kostümierung dennoch für Winterstimmung pur: Vor ausverkauftem Saal spielte das Chemnitzer Tourtheater „Bella Donna Productions“ am Samstagnachmittag „Die Schneekönigin – Das Musical“ und zog das überwiegend kindliche Publikum vom ersten Moment an in seinen Bann. In den Spiel- und Gesangspausen hätte man eine Stecknadel zu Boden fallen hören können, so gebannt verfolgte das Publikum das Bühnengeschehen um die ebenso kalte wie gefährliche Schneekönigin, die die aufkeimende Liebe zwischen Kai und Gerda abrupt beendet, indem sie Kai kurzerhand entführt. Die Herrscherin des Winters hat nichts Gutes mit Kai im Schilde. Er soll für sie den Spiegel der Macht, der einst zerbrach, wieder zusammensetzen, damit sie auch über die anderen Jahreszeiten die Herrschaft erlangen und die Welt ganzjährig in ein Kühlhaus verwandeln kann. Nach getanem Werk wäre er des Todes.
Gerda macht sich auf die Suche nach Kai, trifft auf ihrer Reise auf den Frühling, den Sommer und einen Räuberhauptmann, der sich als der Herbst erweist. Sie hat viele Abenteuer zu bestehen, wird von zwei Krähen begleitet, beschützt und in der Gefahr gerettet. Am Ende trifft sie auf Kai und will ihn nach Hause bringen, die Schneekönigin tobt vor Wut und droht, die Liebenden in Eisblöcke zu verwandeln. Doch ein Kuss, den Gerda auf die vereisten Lippen haucht, lässt dessen kaltes Herz wieder schmelzen und bannt die Zauberkraft der Schneekönigin. Die Liebenden sind frei, die Schneekönigin hat verloren. Auch hier ist die Liebe wieder einmal stärker als der Tod. Das ist nicht in allen Kunstmärchen von Hans Christian Andersen der Fall, in jenem über die Schneekönigin, das als Vorlage für die Chemnitzer Musicalproduktion diente, aber doch. Unter der Regie des Puppenspielers Volkmar Funke entstand eine kurzweilige, vor witzigen Spielideen sprühende Inszenierung, für die der junge Komponist Sebastian Dierkes eingängige Popmelodien komponierte. Weitere Kompositionen stammen von Laura Niepold, die für diese Inszenierung auch textete sowie das Bühnenbild und die phantasievollen Kostüme entwarf. Es spielen junge Absolventinnen und Absolventen verschiedener Musicalschulen Deutschlands. Professioneller Gesang und Tanz runden den Eindruck einer gelungenen Inszenierung ab. Besonders stark wirkt in dieser Inszenierung der Einsatz des Lichtes. Allein durch unterschiedliche Lichtstimmungen werden die Eigenschaften der Jahreszeiten erlebbar dargestellt, auch große Gefühle wie Angst oder Freude erfahren ihre Entsprechung in der Lichtregie. Und so erlebten die Besucher eine berührende Interpretation eines der schönsten Märchen Andersens. Den Winter wegküssen mussten sie auf dem Nachhauseweg allerdings nicht. Der hatte sich bei fast frühlingshaften Temperaturen im Sturm verflüchtigt. Aber ein Kuss ist ja nicht nur dafür gut, die Schneekönigin zu bannen. Er kann seine magische Kraft ganz universal entfalten.